„Leave no one behind“ – auch Hersteller und Handel in die Verantwortung nehmen

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Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) nimmt in seiner Stellungnahme zur Neuauflage der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie vor allem Bezug auf die nationale Umsetzung von SDG12 „Nachhaltige Produktion- und Konsum sicherstellen.“ Der vzbv bewertet den Entwurf der Nachhaltigkeitsstrategie grundsätzlich positiv, aber auch unvollständig, unkonkret und deshalb ausbaufähig. Nachhaltigkeit braucht einen politischen Treiber – die Bundesregierung - und muss einen höheren politischen Stellenwert bekommen. Alle relevanten Bundesministerien müssen das Thema Nachhaltigkeit ambitioniert bearbeiten. Der vorgeschlagene Indikator zu nachhaltigen Konsum 24a) „Marktanteil von Produkten und Dienstleistungen, die mit glaubwürdigen und anspruchsvollen Umweltund Sozialsiegeln ausgezeichnet sind“, bedarf grundlegender ordnungspolitischer Voraussetzungen: Staatliche Kriterien für anspruchsvolle Umwelt- und Sozialsiegel. Nur so kann ein realer Marktanteil von nachhaltigen Produkten gemessen werden. Insbesondere bei der sozialen Dimension besteht Nachholbedarf. Eine abschließende Bewertung der Indikatoren ist für den vzbv nicht möglich, da keine Zielvorgaben seitens der Bundesregierung genannt wurden. Der vzbv fordert, dass ein Kabinettsbeschluss zur Neuauflage nicht vier Jahre (wie üblich) bindend sein darf; sondern eine Nachjustierung früher möglich sein muss, um nachhaltige Entwicklung effektiv voran zu bringen und nicht unnötig Zeit zu verlieren. Damit Verbraucher nachhaltig konsumieren können, bedarf es eines grundlegenden Perspektivwechsels des Gesetzgebers hinsichtlich der Verantwortung für nachhaltigen Konsum. Es hat sich gezeigt, dass die „Politik mit dem Einkaufskorb“ alleine nicht zum Erfolg führt. Die vorherrschenden Marktbedingungen, insbesondere der Mangel an Produktvielfalt, Transparenz und Informationen, erschweren es Verbrauchern nachhaltig zu konsumieren. Der Gesetzgeber muss Leitplanken für nachhaltigen Konsum in der gesamten Lieferkette setzen. Verantwortlichkeiten für Nachhaltigkeit müssen den richtigen Adressaten zugeordnet werden: Der vzbv lehnt es ab, Verbrauchern die Hauptlast und Verantwortung für nachhaltigen Konsum zuzuschieben. Nur gemeinschaftlich, mit Hilfe richtiger Rahmenbedingungen und geteilter Verantwortung von Politik, Industrie, Handel und Verbrauchern, kann nachhaltiger Konsum im gesellschaftlichen Mainstream verankert werden und zum Erfolg führen. Deshalb fordert der vzbv die Bundesregierung auf, in Anlehnung an das Agenda 2030-Motto „Leave no one behind” (deutsch: Lasst niemanden zurück), auch Hersteller und Handel in die Verantwortung für nachhaltigen Konsum zu nehmen.
Keywords: 
Internal Market, Sustainable Development Goals, Environment, Recycling, Social Economy, Industry, Growth, Europe 2020, European Added Value
Country of publication: 
Germany
File: 
Publication date: 
Friday, July 29, 2016
Number of pages: 
25
Title Original Language: 
„Leave no one behind“ – auch Hersteller und Handel in die Verantwortung nehmen
File Original Language: